Akrobatik steigert den Teamgeist

05.11.2013

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Bevor es an die große Pyramide mit der gesamten Klasse geht, üben die Grundschüler kleinere akrobatische Elemente. Foto: ZVW
 

Projekt „Gemeinsam stark“ an neun Winnender Grundschulen geht in die letzte Runde

Winnenden. Nach vier Veranstaltungen hatten die Grundschüler der Kastenschule ihre Bedenken überwunden. Durch das Projekt „Akrobatik - Gemeinsam stark“ lernten sie einiges über Vertrauen in die Gemeinschaft, Stärkung des Selbstbewusstseins und Spaß an gemeinsamen Aufgaben. Neun Grundschulen beteiligten sich daran. Ob das Projekt 2014 weitergeht, ist noch offen.

Noch etwas skeptisch schauen die Mädchen und Jungen der 4b, als Akrobatiktrainerin Meike Göbel sie ermutigt, zum Abschluss die große Pyramide zu bauen. Denn die soll nicht etwa aus verschiedenen Materialien entstehen. Es soll eine menschliche Pyramide werden, ähnlich wie der Turm bei den Cheerleadern. Mit reiner Muskelkraft soll die Klasse es schaffen, auf drei Etagen eins zu werden. Stille kehrt ein, jeder konzentriert sich auf seine Aufgabe. Etwas wackelig beginnt der Aufstieg. Doch dann ist es gelungen. Die Pyramide steht und Begeisterung macht sich breit. Am Ende sind die zwölf Grundschüler glücklich, es geschafft zu haben, auch „wenn es schon ein bisschen schwer war. Aber wir können uns echt aufeinander verlassen“, finden die Kinder.

Das freut auch Klassenlehrerin Jennifer Strifler. Sie ist der Meinung, dass dieses Angebot die Kinder stärkt und das Miteinander fördert. „Der Zusammenhalt in der Klasse war zwar vorher schon gut. Trotzdem haben sich meine Schüler schnell und mutig in die verschiedenen Aufgaben gestürzt und es gemeinsam geschafft.“

Jeder muss sich auf den anderen verlassen können

„Gemeinsam stark sein“ ist das Zauberwort. Keiner schafft es ohne die anderen. Alle sind gleich wichtig. „Die Kinder lernen, Verantwortung für das eigene Tun und für das der anderen zu übernehmen“, erklärt Sportpädagogin Meike Göbel, die auch eine Ausbildung in Equilibristik hat.

Equilibristik ist eine Bühnenform des Kraftsports. Mit reiner Muskelkraft balancieren die Artisten, stützen sich einarmig, drücken sich in den Handstand. Dabei wird auf Sprünge verzichtet, alles geschieht mit betont langsamen, harmonischen Bewegungen, denen der Zuschauer die enorme Anstrengung nicht ansehen soll.

Die Trainerin Meike Göbel wurde vom Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden engagiert und leitete das Projekt, das noch an acht weiteren Grundschulen lief, an der Kastenschule Winnenden. In insgesamt vier Stunden konnten die Schüler ihre Ängste überwinden, Körper- und Bewegungserfahrungen machen und Vertrauen schenken, aber auch annehmen. Um Berührungsängste abzubauen, fangen die Grundschüler mit vertrauensbildenden Übungen an, die dann langsam zu komplexeren Aufgaben wachsen.

Dass Komplexität auf den Mattenböden der Sporthalle nicht so einfach umsetzbar ist, spürt die nächste Klasse. Bis die Pyramide der 4a steht, vergeht einige Zeit. Immer wieder muss von vorn angefangen werden. Einigen geht die Puste aus, andere finden ihre Position nicht „Ohne Konzentration geht das nicht“, erinnert Meike Göbel die Kinder. Die geben noch mal ihr Bestes und tragen somit alle zum Gelingen bei.

„Als dieses Projekt am Runden Tisch der Winnender Grundschulen vorgestellt wurde, haben wir das sofort als fantastische und einmalige Möglichkeit gesehen“, sagt Eva Brückner. Die Schulleiterin der Kastenschule nahm das Angebot wahr und verband es mit eigenen wie beispielsweise den Benimm-Wochen am Anfang jedes Schuljahres. „Sich wertzuschätzen und ordentlich miteinander zu kommunizieren sind wichtige Punkte in unserer Arbeit mit den Kindern. Das Projekt unterstützt unsere Arbeit enorm. Denn es zeigt, dass es gemeinsam einfach bessergeht.“

Von Emma von Bergenspitz, 05.11.2013, ZVW

 
 

Fachtag Bad Boll 2013 „Erziehung ein Menschenrecht“

08.10.2013

 

Das Thema dieses Fachtages war eigentlich keines – denn Erziehung ist etwas Selbstverständliches. Die Tatsache, dass Erziehung heute Gegenstand zahlreicher Diskussionen auf Tagungen und ganzer Bibliotheken von Ratgebern ist, spricht eine andere Sprache.

Aus diesem Grund trafen sich Fachleute verschiedener Bereiche in Bad Boll. In seinem sehr  interessanten und informativen Eröffnungsvortrag schilderte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes und Autor des Buches „Helikoptereltern“, Josef Kraus, die Formen und Hintergründe von Gewaltverhalten an Schulen. Eine mögliche Lösung des Problems erkennt er in der Zusammenarbeit aller an Erziehung und Bildung beteiligten Akteure an „Runden Tischen“.

Eine andere Auffassung der Verhältnisse in Bezug auf Jugendgewalt vertrat Prof. Christian Pfeiffer, der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Er gab Entwarnung, “Jugendgewalt gehe in allen Bereichen zurück“. Den Grund dafür erkennt Pfeiffer in dem Verbot, Kinder körperlich zu züchtigen. „Mehr Liebe, weniger Hiebe“ lautet sein Credo, das er mit Zahlen aus empirischer Forschung belegt. Ergänzt wurde dieser Vortrag am Nachmittag von Dr. Dirk Baier, dem stellvertretenden Direktor des hannoverschen Forschungsinstituts, um die Dimension der Auswirkungen der Religiosität des Elternhauses auf die Gewalthaltigkeit der Erziehung. Deutlich schlecht schnitten im Vergleich, so das Ergebnis, die evangelisch-freikirchlichen Familien ab.
Den Abschluss bildete der Blick in die Praxis der Mobbingintervention, den Franz Hilt, Leiter des Referats Prävention des AGJ Freiburg, der sehr interessierten Zuhörerschaft gewährte. So überzeugend wie die Banalität der Entstehung und die gravierenden Auswirkungen von Mobbing dargelegt wurden, so interessant war die Darstellung der Interventionsmaßnahmen in konkreten Mobbingfällen. Über einen Mangel an Anfragen kann sich Herr Hilt nicht beklagen, etwa 15 Anfragen in der Woche, allein im Raum Freiburg, sprechen dafür, dass das Problem gewalthaltigen Verhaltens und die Frage angemessener Erziehung doch noch nicht abschließend geklärt ist.